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Thomas Pynchon: Die Versteigerung von No. 49
Written by Sebastian Ritze   
Friday, 13 February 2004
Originaltitel: The Crying Lot 49

Inhalt:

Oedipa Maas wird zur Testamentsvollstreckerin ihres ehemaligen Liebhabers bestimmt, einem immens reichen kalifornischen Immobilienspekulaten namens Pierce Inverarity. Sie beginnt ihren Weg durch Kalifornien abseits der ihr bekannten Routen und versucht herauszufinden, wer Pierce Inveratity war, was er während seins Lebens erschaffen hat. Sie lernt dabei eine völlig andere Welt als ihre bisherige kennen. Innerhalb dieser Welt begegnet sie ausgeflippten Bandmitgliedern, isolierten Wissenschaftlern und einfach verstörten Menschen, die abseits des Alltags der normalen Gesellschaft leben. Dabei kommt Oedipa einer jahrhundertealten Verschwörung auf die Spur, deren Existenz sie sich Teil für Teil erschließt. Oder ist alles nur ein Fiktion, ein Wahn, in dem sie gefangen ist. Eine letzte große Inzenierung von Pierce Inverarity ?

Schreibstil:

Zunächst ein kleiner genialer Abschnitt, der sogar unüblich wenig verschachtelt ist. Hier kann man sich zumindest noch an den Satzanfang erinnern, wenn man den letzten Halbsatz gelesen hat: 

Sie konnte den Blick nicht von seinen Augen wenden. Sie funkelten schwarz und waren von einem unglaublichen Netzwerk von Fältchen umgeben, wie ein Laborlabyrinth, das die Aufgabe hatte hatte, die Intelligenz der Tränen zu erforschen.

In die Kategorie 'unfangreich' fällt dagegen uA:

Sie hatte den Verdacht, daß der Job als Diskjockey (den er durch seinen Freund, den Leiter der Werbesendungen bei KCUF, gekriegt hatte, der einmal die Woche auf den Autohof gekommen war, weil Mucho seine Gebrauchtwarenangebote über den Sender durchsagen ließ) für ihn nur dazu da war, daß all die 200 Top-hits und sogar die Lokalnachrichten, die klappernd aus der Maschine kamen - der ganz trügerische Traum der Teenagergelüste-, nur dazu dienten, sich als Puffer zwischen Mucho und diesen Autohof zu schieben.

Das Buch lebt vom Schreibstil. Die Bezüge, Analogien und Umschreibungen sind nicht nur ausgefallen, sondern stellen insbesondere geniale Gedankensprünge bzw. Verknüpfungen dar.

Bemerkungen:

Richtig ABGEFAHREN (sic!) ist eine kurze Geschichte zwischen Oedipa und Metzger, einem Anwalt, der früher Schaupieler war, als sie sich besoffen zufällig einen Film aus seiner Jugend ansehen. Beispielhafter Inhalt des Films: Der Hund hält Wache am Periskop und bellt, wenn er irgendwas sieht. Im Rahmen dieses mit Rotwein und Tequila unterstützten Annäherungsversuchs schlägt Metzger vor, Strip Boticelli, einer Strip Poker Variante, zu spielen, bei dem Oedipa für jede Frage ein Kleidungsstück ausziehen soll. Oedipa, einerseits das Ziel Metzgers klar vor Augen, andererseits in ihren Gefühlen verwirrt, zieht sich den ganzen (!) Inhalt ihres Koffers an und stößt dabei eine Haarsprayflasche um. Das Ventil der Flasche wird beschädigt und Pynchon beginnt den irrwitzigen Flug dieser Flasche durch das Badezimmer zu beschreiben. Ein Genuß !

Dieser Flug und die Filmstory sind leider zu lang, um sie hier wiederzugeben. Der Kommentar einiger Zuschauer im Buch für diesen Abschnitt, zu dem auch die Spraydose zählte, war jedenfalls: 'Junge, is das 'n Ding [...] Seid ihr aus London ? [...] Ist das typisch für London, was ihr da macht ?'

Auch wenn das Gefühl entsteht, einer Menge psychedelischer Verschwörungstheorien ausgesetzt zusein, die niemals aufgeklärt werden, schreit es bei der Lektüre nach weiteren Leseerlebnissen dieser Art. Das große abgefahrene Gesamtbild, die Verschwörungstheorie, wird aus lauter solch kleinen zusammengesetzt und bis in das Unendliche fortgesetzt. Zeitlich sogar bis 1290 a.D.. Wird am Ende die alles klärende Äuflösung kommen ? Die Sensation ?

Fazit:

Lesegenuß pur. Neben der eigentlichen Geschichte ist der Schreibstil schon selbst eine Lektüre wert.

Bewertung: 9 / 10

ISBN: 3-499-13550-7

Weitere Bücher von Thomas Pynchon:

- Die Enden der Parabel
- V.
- Vineland
- Mason & Dixon
- Spätzünder

 
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