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Zen in der Kunst des Bogenschiessens Print E-mail
Monday, 27 February 2006

Zen in der Kunst des Bogenschiessens handelt von einem Dozenten der Philosophie, der bei dem Versuch Zen zu verstehen, sich begreifbar zu machen und zu erleben, während eines längeren Japanaufenthalts die Kunst des Bogenschiessen aufgreift. Zunächst als Umweg abgestempelt, als zeitverschwendende Pflicht um Zen zu verstehen, weil sich ihm trotz des innigen Wunsches Zen zu verstehen keine andere Möglichkeit bot, Zen selbst oder mit fremder Hilfe auf direktem Wege zu erfassen, entschließt sich Prof. Herrigel den Weg des Bogenschiessens zu gehen.

In seinem Buch schildert er seine Gefühlswelt auf diesem Weg, das ständige Scheitern, die Fragen und Gedanken, die ihn auf seinem Weg begleiten. Er legt dabei sehr präzise die Konflikte dar, denen viele Menschen mit einem westlichen Weltbild und Erziehungshorizont bei der Beschreitung eines Weges (hier die Kunst des Bogenschiessens) zu überwinden haben. Das anfängliche sezieren der Abläufe, das Grübeln über Gründe, weil etwas nicht so erfolgt wie gewollt und geplant, löst sich im Laufe des Buches langsam in ein Verstehen, in ein gelassenes Akzeptieren auf. Ein gespanntes Warten.

Diese Buch beschreibt den Weg den jeder zu gehen hat, der auf der Suche nach einer Meisterschaft in einer dieser Künste ist. Es nimmt nicht Erfahrungen vorweg, da eine Erkenntnis nicht allein durch lesen über den Weg erfolgen kann. Ein Durchdenken hat eher den gegenteiligen Erfolg. Es bringt den Weg näher ohne ihn ersetzen zu können. Ein zeitloses Dokument.

Zwar beschäftigt sich dieses Buch mit der Kunst des Bogenschiessens, die Gemeinsamkeiten insbesondere mit Kendo (Dem Weg des Schwertes) sind jedoch frappierend. Zusätzlich ist eine sehr gute Zusammenfassung des Kerns von Takuan Soho's (1573-1645) "Das Unbewegte Begreifen" enthalten, die für sich allein schon lesenswert ist (S.82-93). Fast vollständig ist eine deutsche Übersetzung dieses Essays in Zen und die Kultur Japans von SUZUKI, Daisetz T. enthalten.

Fazit:

Abschließend betrachtet ist diese Buch sehr zu empfehlen. Es besticht durch seine Einfachheit und Tiefe.

 

von Eugen Herrigel [1884-1955]

Ausgabe: Gebundene Ausgabe - 94 Seiten
Verlag: Otto Wilhelm Barth Verlag
Erstveröffentlichung: 1948

Update:

Eine kritische Betrachtung des Buches verfasst Yamada Shoji, der auf mögliche zentrale Fehler des Übersetzers zwischen Herrigel und seinem Lehrer Awa Kenzo hinweist. Zusätzlich soll der Unterricht, den Herrigel genossen hat, nicht repräsentativ gewesen sein. Zwar war Awa ein exzellenter Schütze, jedoch soll er eine Randerscheinung gewesen sein, der aus seiner Kunst eine Religion machte, die mit Zen wenige zu hat. Die Zen-Tradition des Kyudo hat es so nicht gegeben. Awa soll frühe Kyujutsu Schriften misinterpretiert haben und wurde in der Kyujutsu-Gemeinde teilweise wie ein 'Verrückter' behandelt.

Das Buch bleibt jedoch nach wie vor lesenswert. Dem kritischen Betrachter empfiehlt sich jedoch die Lektüre des oben genannten Essays. Es liegt in einer englischen Übersetzung vor.