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Die Kunst der Bergdämonen Print E-mail
Monday, 27 February 2006

Das Tengu-geijutsu-ron des Shissai Chozan. Zen-Lehre und Konfuzianismus in der japanischen Schwertkunst. Übersetzt in Deutsche von Reinhard Kammer.

coverInhaltlich identische Ausgaben haben unter anderem folgende Titel:

- Die Kunst das Schwert zu führen.
- Zen in der Kunst, das Schwert zu führen.

Hier fehlen allerdings die Ausführungen über die historischen Hintergründe. Der Haupttext (der Diskurs über die Kunst der Bergdämonen) ist in allen Ausgaben veröffentlicht.

Die aktuelle Ausgabe ist unter dem Titel 'Zen in der Kunst, das Schwert zu führen. Eine Einführung in die altjapanische Fechtkunst.' erschienen und ist die gekürzte Version des besprochenen Buches.

'Der Diskurs über die Kunst der Bergdämonen' ist auch unter dem Namen 'Buyo-geijutsu-ron' bekannt. Der Verfasser ist Niwa (Jurozaemon) Shissai, auch unter dem Namen Shissai Chozan (Chozanshi) bekannt. Er lebt als Schriftsteller in Osaka in den Jahren der Kyoho Ära [1716 -1735].

Shissai kleidet seine Erkenntnisse in die fiktive Unterhaltung eines Menschen mit sogenannten Tengu, die manchmal auch als Kobolde bezeichnet werden. Tengu sind menschenähnliche Gestalten mit einer langen Nase und Flügeln. Sie sind Meister des Schwertkampfes und beherrschen sie in allen Facetten. Die Fragen und Antworten, die Shissai in seinem Text behandelt, sind nicht auf die Perfektionierung der Schwerttechnik gerichtet. Vielmehr versucht er die universellen Prinzipien in den Vordergrund zu stellen: Das natürliche Handeln des Herzens.

Shissai erklärt, daß die Technik zwar eine wichtige Voraussetzung ist, die geistige Haltung aber entscheidend ist. Er versucht dem Leser an der Entwicklung zu einem unbeschwerten, furchtlosen, nicht an den Dingen haftenden Menschen teilbaren lassen.

Zitate:

Kunst ist nicht die etwas Vollendetes zu "schaffen", sondern vollendet etwas zu "tun".

Der Gemeine bekümmert sich um das, was der Himmel tut, aber ist nachlässig gegenüber dem, was er selbst tut. [S. 49]

Auszug zu dem Begriff 'zanshin':

Einer fragte:" In vielen Schulen gibt es den Begriff des zanshin. Ich bin mir darüber nicht klar. Was bedeutet dieses zanshin?"

Er antwortete:" Es bedeutet nichts weiter, als daß man sich nicht mehr von den Dingen hinreißen läßt und das Herz unbewegt ist. Wenn das Herz unbewegt ist, ist die Reaktion klar. In den Dingen des täglichen Lebens ist es genauso. Ginge es auch, wie man sagt, mit einem Satz bis auf den Grund der Hölle, das Ich bliebe das ursprüngliche Ich. Man bliebe vorn und hinten und rechts und links ungehindert und frei. Man ist mit dem Herzen dabei und macht keine Vorbehalte. Doch wenn man im Herzen Vorbehalte macht, geht auch das Denken verschiedene Wege. Es bedeutet nichts anderes als dass das Herz nicht klar ist und man nicht aus ganzem Herzen handelt; deshalb haut und sticht man blind drauflos. Die Klarheit aber erwächst aus der Unbewegtheit des Herzens, und nur dann sind Hiebe und Stiche gezielt und treffsicher. All diese Dinge sind schwer in Worte zu fassen. Doch wenn man sie nicht richtig versteht, ist das in hohem Maße schädlich. [...]" (S.58 bzw. 106)

Fazit:

Die Kunst der Bergdämonen ist uneingeschränkt empfehlenswert. Dieses Buch ist wohl das zeitloseste deutschsprachige Buch das sich mit der Schwertkunst beschäftigt. Obgleich es wenig konkrete Handlungsanweisungen gibt, sind gerade die universellen Aussagen von besonderem Interesse - auch für den philosophisch Interessierten. Mit jeder neuen Lektüre eröffnen sich neue Bedeutungen.

Eine Aussage bleibt bestehen: Lesen ersetzt nicht das Training !  

Bewertung: 9 / 10 

 

Angaben zum Buch:

Autor: Reinhard kammer
Format: Gebundene Ausgabe - 165 Seiten
Verlag: Otto Wilhelm Barth Verlag
Erscheiungsdatum: 1969
Preis: Vergriffen