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Die Rüstung (bogu) besteht aus 4 Rüstungsteilen:
- Men (Kopfschutz), - Kote (Hand- /Unterarmschutz), - Do (Rumpfschutz), - Tare (Hüft- /Oberschenkelschutz)
Die Unterschiede einer Rüstung liegen in den unterschiedlich verwendeten Materialien, den Nahtabständen und der Verarbeitung durch Hand oder Maschine.
Materialien:Je nach Ausrüstungsteil, spielt die Qualität der verwendeten Materialen eine unterschiedlich große Rolle. Wichtiger ist eine vernünftige Qualität bei Men und Kote. Gerade bei billigen Rüstungen kann es vorkommen, daß man durch den Men bzw. Kote die ausgeführten Schläge unangenehm deutlich spürt, während dies bei einem guten Men nicht der Fall ist. Allderdings kann ein sogenanntes "Men-Pad" oder "Head-Protector" hier unter Umständen Abhilfe schaffen. Bei den Kote ist ein gutes Leder auf der Handinnenseite von Vorteil, da es weniger schnell abreibt, sich besser anschmiegt und länger hält. Die Qualität bei Do und Tare ist weniger entscheidend und man kann bei der Wahl eines größeren Nahtabstandes einige Euro sparen, sofern dies gewünscht wird. Große Preisunterschiede gibt es zwischen einem Bambus-Do und Plastik-Do. Die Qualität eines Plastik-Do ist absolut ausreichend. Zusätzlich ist dieser weniger anfällig gegen Beschädigungen (Bruch) durch seitlichen Druck.
Nahtabstände:Die Nahtabstände sind entscheidend für die Lebensdauer und die Absorbtionsfähigkeit gegenüber Schlägen. Je fester das Material, desto besser wird die Energie verteilt. Grundsätzlich gilt: Je enger der Nahtabstand, desto besser und teurer die Rüstung. Dies muß jedoch nicht heißen, daß man anfangs bei 2.0 mm Kote keine blauen Flecke bekommt. Bei der Wahl der richtigen Nahabstands ist auch zu berücksichtigen, daß eine 2.0 mm Rüstung weniger flexibel ist und sich dem Kopf, insbesondere den Ohren, wesentlich langsamer anpaßt. Es kann dementsprechend eine Weile dauern, bis der Men angenehm zu tragen ist. Engerer Nahtabstand ist also nicht zwangsläufig besser. Je nachdem, ob die Rüstung handgenäht oder maschinengenäht ist, gibt es 2 Maßeinheiten: "bu" und "mm". Handgenähte Rüstungen sind wesentlich teurer, lassen sich dafür aber auch besser reparieren und können angenehmer zu tragen sein. Für Anfänger ist eine maschinengenähte Rüstung jedoch völlig ausreichend.
[Berücksichtigt man die Austeigerquote beim Kendo, kann es uU sinnvoll sein, sich eine Leihrüstung zu organisieren, sofern der Verein bzw. die Schule dies anbietet.]
1. Men - Der Kopfschutz
Dieses Men ist mit einer Mengane aus einer Titanlegierung bestückt. Alternativ gibt es auch eine Aluminiumlegierung, IBB Titan und IBB Pro. Der Unterschied dieser Materialien macht sich in erster Linie durch das unterschiedliche Gewicht bemerkbar. Ob sich die Aufpreise von ca. USD 80,- bis USD 270,- lohnen, bleibt jedem selbst überlassen. Allderdings ist für den Anfänger ein Men mit einer Aluminiumlegierung absolut ausreichend.
Je nach Ausführung sind die Kanten und der Teil, der durch das Shinai (Bambusschwert) getroffen wird, mit Leder überzogen, um Lebensdauer und Energieverteilung zu verbessern.
Das Men wird mit Hilfe zweier Bänder (Men-Himo) befestigt, die mit einem Lederstück an der Mengane (Gitter) festgebunden werden. Bei einer alternativen Bindemethode werden längere Men-Himo verwendet und nur ein einzelnes Lederstück in der Mitte (oben) der Mengane befestigt. Diese Methode ist allerdings etwas komplizierter und erfordert etwas mehr Erfahrung. Je nach länge der Himo müssen diese unter Umständen etwas gekürzt werden. Sowohl die Schleife als auch das Ende der Men-Himo sollten auf gleich Höhe sein und eine Länge von ca. 40 cm haben. Sofern sich der Knoten häufiger beim Training löst, sollten Sie die Anordnung der Schleife einmal umkehren, dh. zB die linke Schlaufe über die rechte legen oder umgekehrt. Dies führt häufig zum gewünschten Erfolg.
2. Do - Der Rumpfschutz:
Die Bänder (Himo), die der Befestigung um den Körper dienen, sind ebenfalls zu sehen. Bei dem abgebildeten DO handelt es sich um einem schwarzen Plastik-Do. Die Verzierungen sind schwarz/rot gehalten und sollten mit dem Muster auf der Tsuki-Tare (Kehlkopfschutz) korrespondieren. Falls Sie bei der Anschaffung einer Rüstung sparen müssen, bietet es sich an einen weniger guten Do zu bestellen.
Auch hier gibt es wie beim Men verschiedene Möglichkeiten, die Do-Himo (Bänder) zu binden. Die Knoten sollten ungefähr in Höhe des Schlüsselbeins sein. Sitzt das Do zu hoch, kann die Atmung beeinträchtigt werden, sitzt es zu niedrig, drohen schmerzhafte Rippenprellungen. Bogu - Do
3. Tare - Der Hüft- /Oberschenkelschutz:
Je nach Preis wird hier besseres Leder und besserer Stoff verwendet. Vorliegend handelt es sich um ein 2.5 mm maschinengenähten Tare. Die Qualitätsunterschiede machen sich beim Tare weniger bemerkbar. Über den mittleren der drei großen Lappen wird das zekken [Namensschild] gezogen. Üblicherweise sind dort Namen (unten) und Verein (oben) aufgedruckt oder aufgenäht.
Die Tare-Himo sollten auf jeden Fall fest genug gebunden werden, so daß das Tare während des Trainings nicht verrutschen kann. Die Do-Himo werden vorne unter dem mittleren Lappen mit einer Schleife zusammengebunden. Diese sollte nicht rechts oder links hervorschauen.
4. Kote - Der Hand-/ Unterarmschutz
Unterschiede gibt es hinsichtlich des (Leder) Überzuges des Handrückens und des verwendeten Leders auf der Handinnenseite. Bessere Kote haben Hirschleder sowohl innnen als auch außen und sind mit Hirschwolle gefüllt. Teilweise verwenden die Hersteller auch künstliche Materialien oder entwickeln waschbare Versionen.
Die Bänder auf der Innenseiten werden je nach Geschmack enger oder weiter gelassen. Dabei sitzt der Teil über dem Unterarm jedoch immer locker und wird nicht richtig festgezogen. Je nach Hersteller kann eine 4.0 mm Kote bessere sein als eine 2.0 mm Kote. Die Frage, wo man eine gute Kote zu einem vernünftigen Preis bestellen kann ist schwer zu beantworten. Am besten man schaut sich in seinem Verein bzw. Dojo um und befragt die Mitglieder. Jedenfalls sollte man nicht an guten Kote sparen. Handgenähte Kote sind in der Regel etwas flexibler und haben einen etwas kürzeren Unterarmschutz.
Kote werden nicht - wie manchmal zu lesen ist - wie Boxhandschuhe eng angezogen. Vielmehr sollte zwischen Arm und Armschutz etwas Luft sein. Gegebenenfalls müssen die Kote Bänder etwas gekürzt werden, damit diese nicht herumhängen. Hinweise zum Kauf:
Wenn Sie sich für eine bestimmte Rüstungsqualität entschieden haben, stellt sich die Frage, wo Sie Ihre Rüstung erwerben möchten. In Deutschland gibt es einige Anbieter. Teilweise bestellen diese die Rüstung dann paßgenau in Korea (Kendoshop-Erfahrungsbericht) oder Japan. Sie können die Rüstung und sonstige Ausrüstungsgegenstände aber auch direkt dort bestellen. Die Preisdifferenzen sind teilweise erheblich - bis zu 50%. Sie müssen jedoch noch die Kosten für eine Überweisung, bzw. die Kosten der Kreditkartennutzung und die Einfuhrabgaben (ausführliche Aufstellung mit Beispielrechnung) berücksichtigen. Zusätzlich zu den Einfuhrabgaben können noch Abfertigungsgebühren durch das beauftragte Versandunternehmen anfallen.
 Alternativ können Sie die Rüstung aber auch bei Kwon in der Nähe von München anprobieren. Allerdings ist die günstige Variante (ca. € 400,-) auch spürbar schlechter als gleichteure Rüstungen aus Korea. Nach oben gibt es keine Grenze und mehrere tausend Euro kann man für eine handgenähte Rüstung mit edlen Materialien (zB. Haifischhaut als Do-Überzug) daher leicht ausgeben. Inzwischen gibt es auch auf den großen Kendo-Turnieren (3W-Turnier, Tengu-Cup und Dr. Goto Turnier) die Möglichkeit, sich Ausrüstungsteile zu kaufen. Zeitpunkt des Tragens:Überlicherweise wird in Deutschland einem Schüler nach 6 bis 12 Monaten gestattet, eine Rüstung zu tragen. Je nach Verein und Schule kann diese Zeit variieren. In anderen Ländern wird auch schon nach 3 Monaten das Tragen einer Rüstung erlaubt. |