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Einstellung zum Ji-Geiko
Sunday, 10 June 2007

von Sotaro Honda,

Übersetzung ins Deutsche von Sebastian Ritze. Version 1.0
 

Einleitung:

Ji-Geiko ist der Kern des Keiko im Kendo. Im Ji-Geiko können wir Kendoka Waza (Techniken) in unbeschränkten Situationen anwenden. Wir können außerdem erlernen, was wir vor einem Angriff (Seme) tun müssen und wie wir auf Seme (Absicht und Angriff) des Gegners reagieren können. Hinzu kommt, daß wir erkennen können, welche Techniken wir gut oder weniger gut beherrschen. Ein Ji-Geiko kann uns zum nächsten Kihon-Geiko und Ji-Geiko führen und uns bewußt machen, woran wir arbeiten müssen, um uns technische weiter zu entwicklen. Es gibt uns als korrekten Kendoka außerdem Möglichkeit, unsere Fähigkeiten, den Geist und den Charakter zu verbessern.

Sofern wir Ji-Geiko in der falschen Art und Weise angehen, indem wir uns zB nur auf das Besiegen des Gegners konzentrieren, ist eine Entwicklung als korrekter Kendoka nicht zu erwarten. Daher ist es wichtig Ji-Geiko mit dem richtigen Verständnis in Angriff zu nehmen.
Der Zweck dieses Artikel (Teil 1) ist es, den Inhalt des Ji-Geiko herauszuarbeiten und dem Kendoka brauchbare Informationen für sein zukünftiges Keiko zu liefern. Den Anfang macht eine Untersuchung der Beziehungen von Kihon-Geiko, Kata-Geiko und Ji-Geiko, gefolgt durch eine Untersuchung, wie Ji-Geiko geübt werden sollte.


1. Die Beziehung zwischen Kihon-Geiko, Kata-Geiko und Ji-Geiko

Sowohl Ji-Geiko, Kihon-Geiko als auch Kata-Geiko sind wichtige Hauptelemente des Keiko. In Kihon-Geiko wird die gleiche Übung immer wieder unter vorher festgelegten Situationen wiederholt, so daß wir dabei immer erfahrener werden richtig zu schlagen und zu stoßen und ein volles Ki-ai und eine gute Haltung entwickeln können (Ki-Ken-Tai no Itchi).

Kata-Geiko legt mehr Wert als Kihon-Geiko darauf, sich der Verwendung des Schwertes bewußt zu sein. Dies liegt darin begründet, dass Kata-Geiko üblicherweise mit dem Bokken geübt wird.  Kata-geiko ist deswegen die Übung, bei der wir lernen, richtig zu atmen (Bauchatmung).

Kihon-Geiko, Kata-Geiko und Ji-Geiko existieren nicht voneinander getrennt sondern sollen grundsätzlich miteinander verbunden sein. Es gibt Menschen, die Kihon-Geiko und Kata-Geiko sehr gut beherrschen, jedoch ihre Haltung und die Koordination zwischen ihren Armen und Beinen im Ji-Geiko einbüßen. In diesem Fall ist es kein wirkliches Problem, wenn diese Leute sich Ziele setzen, um ihre Probleme im Ji-Geiko zu überwinden. Es gibt auch andere Menschen, die sich nur darauf konzentrieren, auf den Gegner einzuschlagen und häufiger zu treffen, als der Gegner. Diese Einstellung im Ji-Geiko spiegelt eine Haltung wider, die sich nur damit beschäftigt, im richtigen Moment zu gewinnen. Im Gegensatz dazu gibt es andere Leute, die sich nur auf ihre Haltung und ihre Form konzentrieren und sich dabei weniger auf die Eroberung von Shu-shin und Seme-ai konzentrieren (Kontrolle des Mitte). Dies ist solange in Ordnung, sofern es sich dabei um die Absicht handelt, ihre Probleme zu überwinden (z.B. den Rücken bei einem Angriff gerade zu halten). Wenn sie allerdings nicht versuchen ihre verschiedenen Probleme zu überwinden, degradiert diese Einstellung das Ji-Geiko nur zu einer einfachen Aufführung. Das wirkliche Vergnügen des Ji-Geiko ist durch diese Schwäche nicht zu erleben.

2. Was Ji-Geiko sein sollte.


Hinsichtlich Kihon-Geiko, Kata-Geiko und Ji-Geiko sollten die Vorlieben ausgewogen sein.  Es ist wichtig mit Ji-Geiko zu beginnen, während wir überlegen, wie wir die Techniken (Waza) anwenden können, die wir in Kihon-geiko und Kata-geiko gelernt haben.  Indem wir dies tun, können wir die Bedeutung und den Sinn eines jeden Keiko erfassen und mit jedem Keiko unsere Interesse weiter entfalten. Wie bereits früher erwähnt, zielt Ji-Geiko darauf ab, uns Gelegenheit zu geben, unsere Fähigkeiten unter freien Rahmenbedingungen zu testen. Tomiki (1991) weist zusätzlich darauf hin, daß der Zweck des Ji-Geiko in modernem Kendo uns erlauben soll, die strikt geistlichen Aspekte des Kendo als Budo-Disziplin zu begreifen. In der Vergangenheit konnten Bujutsuka ihre Fähigkeiten nur durch den Sieg über ihren Gegner und das Überleben von Todessituationen erproben.  Der frühere Ort des Kampfes auf Leben und Tod hat sich zu einem Ort des Wettkampfes gewandelt, in dem jeder durch eine Rüstung (Bogu) geschützt ist und sicher angreifen und sich verteidigen kann.  In modernen Kendo erwartet man von einem Kendoka, dass er emotionale Konflikte in Wettkampfsituationen beherrschen kann. Für die Entwicklung des Geistes und Fähigkeiten eines richtigen Kendoka ist das Verständnis, wie man Ji-Geiko betreibt und ausführt von entscheidender Bedeutung. Der Weg, sich dem Ji-Geiko zu nähern, ist nicht für jederman der Gleiche. Im Stadium des Anfängers gibt es einen Weg, sich entsprechend seiner Stufe mit Ji-Geiko zu beschäftigen. Unter Berücksichtigung des Erfahrungsstandes gibt es auch für Fortgeschrittene einen Weg, sich dem Ji-Geiko zu nähern.  Des Weiteren ändert sich die Ausführung des Ji-Geiko, je nachdem was die Person zu lernen oder zu verbessen versucht oder mit wem sie Ji-Geiko hat (z.B. mit einem Kohai, Sempai, einem Älteren, einer Frau, usw.) Die weiteren Ausführungen dieses Artikels beschäftigen sich damit, wie man Ji-Geiko seinem Erfahrungsstand entsprechend in Angriff nehmen sollte.

3. Wie man Ji-Geiko in der jeweiligen Entwicklungsstufe in Angriff nehmen sollte.

3.1 Kyu Grade:


Erstens: Der wichtigste Punkt für Kendoka dieser Stufe ist es, Waza (Shikake-waza) aus eigener Initiative anzuwenden. Es sollten nicht nur Men und Kote geschlagen werden, sondern alle Techniken (Waza), die Sie während des Kihon-geiko und Kata-geiko gelernt haben. Sie sollten keine Angst davor haben, zu versagen und besiegt zu werden. Man erwartet, daß Sie allmählich das Timing für jede Technik (Waza) erlernen, während Sie versuchen aus eigener Initiative anzugreifen. Ein anderer wichtiger Punkt ist, daß Sie Ihre eingeleitete Bewegung nicht stoppen, nachdem Sie geschlagen oder gestoßen haben, sondern versuchen, Ihren Angriff zu beenden und sich schnell auf die nächste Aktion vorbereiten. Man kann sehr häufige bei Anfängern beobachten, wie sie ihre Konzentration verlieren und sich verteidigen, sobald sie ihren ersten Angriff beendet haben und an ihren Ausgangspunkt des Angriffs zurückgehen. Wo auch immer Sie sich befinden: Es ist wichtig, stets die Konzentration aufrechtzuerhalten und die nächste Aktion vorzubereiten, sobald Sie Ihren ersten Angriff beendet haben.

Zweitens ist es üblich, dass die meisten Anfänger in dieser Stufe nicht gelernt haben, wie man sich verteidigt.  Es ist häufig der Fall, dass Anfänger nicht richtig wissen, was sie in dieser Situation tun sollten. Sie stehen dann einfach geistesabwesend herum, ohne etwas zu tun, schließen ihre Augen, verkrampfen ihre Schultern, weichen zurück oder laufen davon, falls ihr Gegner sie zuerst angreift. Es ist auch vernünftig anzunehmen, daß sie beim Angriff des Gegners Angst verspüren. Wichtig ist in diesesm Fall ein richtiges Verständnis für Ko-bo-itchi und Ken-tai-itchi zu haben. Diese Begriffe illustrieren die Wichtigkeit bei einem Angriff körperlich und geistig immer präsent zu sein und sich bei einem Gegenangriff verteidigen zu können. Gleichzeitig sollte man bei der Verteidigung bereit zum Gegenangriff sein (All Japan Kendo Federation, 2000, Seite 47). Im Kendo gibt es keine reine Verteidigung. Die Verteidigung dient lediglich der Vorbereitung des Angriffs oder Gegenangriffs. Die richtige Verteidigung erlaubt es Ihnen, nach einer Verteidigung sofort anzugreifen. Allerdings sollten Sie  bei der Verteidigung nicht einfach herumstehen und nur Ihr Shinai benutzen, vielmehr sollten Ihre Knie entspannt sein und die Verteidigung durch Shinai und Fussarbeit erfolgen. Mit zunehmender Erfahrung werden Sie sich eine Reihe Techniken und ein besseres Timing aneignen. In dieser Entwicklungsstufe sollten Sie für Ihre Weiterentwicklung in erster Linie große Techniken anwenden, die den ganzen Körper beanspruchen und sich nicht auf kleine Techniken verlassen oder häufiger zu schlagen als Ihr Gegner.

Wenn Sie sich bei Angriff und Verteidigung in diesem Stadium schlechte Gewohnheiten einschleichen, wird es in Zukunft eine lange Zeit dauern, diese wieder auszumerzen. Die Reflektion über die Umsetzung des Ji-Geiko anhand von Hinweisen Eurer Senseis oder Sempais ist neben der eigenen Betrachtung sehr wichtig.

[Anm. des Übersetzers: Die Abschnitte „1-3 Dan“, „4-5 Dan“ und „6- Dan“ werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht]

4. Zusammenfassung:

Bis zu diesem Punkt wurde die Wichtigkeit der Verbindung zwischen Kihon-Geiko, Kata-Geiko und Ji-Geiko neben der Frage, wie Ji-Geiko auf jeder Erfahrungsstufe betrieben werden sollte, diskutiert. Im nächsten Artikel wird die Frage diskutiert, welche mit welcher Einstellung Ji-Geiko betrieben werden sollte und wie Ji-Geiko mit verscheidenen Gegenern zu betreiben ist. Dabei werden Beispiele für die Bewältigung von Gegnern mit geringerer, gleicher und höherer Erfahrungsstufe, ältere und jüngere Gegener sowie Ji-Geiko mit Frauen besprochen.